Schreibwerkstatt

Barbara Klein

Erste Geschichte:

Er ging langsam durch die Ausstellungshalle von Kunstwerk zu Kunstwerk und überlegte, welches Stück das passende Geschenk für seinen Vater wäre, als er barsch von hinten an der Schulter gepackt wurde!
„Was wollen Sie denn hier?"
„Neugierig auf Neues!“,
- sagte die gerade aus Indien eingetroffene Kunstliebhaberin, in den Händen eine zu volle Geldbörse haltend.
- Sie blieb vor einem Bild stehen, schaute und schaute, doch plötzlich fiel ihr ein:
- ‚Ich hätte noch so viele Freunde mitbringen können …'
- ‚Aber hätte gibt es nicht.’
- ‚Kunst schauen, Kunst fühlen, Kunst hören, welch ein Fest für die Sinne.’
- Und dann die Katastrophe: ein kleines, aber sehr kostbares Objekt verschwand während der Darbietung einer Tänzerin! Wo steckte es? Gab es einen Dieb?
- Ein Dieb, der vielleicht ihr Herz bekommen wollte?
- Na, wer wird denn gleich das Schlimmste annehmen!
- Die Gedanken des Mannes schweiften weg vom Geschenk, das er besorgen wollte, hin zu der schönen, grünäugigen Frau, die ihn immer noch anstarrte – woher kannte er sie bloß?
- Und plötzlich fiel es ihm ein. Sie war die erfolgreiche Künstlerin, die ihre Ausstellung letzte Woche eröffnet hatte – mit großem Erfolg.
- Und darauf sollte es jetzt einen Prosecco geben!
- Doch kaum hatte er ein Glas getrunken, verlor er das Bewusstsein und fiel zu Boden!
- Dort blieb er minutenlang liegen.
- Hätte er doch besser ein Bier getrunken, denn Prosecco verträgt er einfach nicht!
- Noch halb im Koma liegend merkte er einen zarten Kuss auf seinen Lippen – er schlug die Augen auf …
- …und stellte fest, dass das Licht ausgegangen war. Der Boden war nass und es roch nach Bier und Erbrochenem,
- und er schwor sich: nur noch Kaviar und Selters.
- Mit der Reinemachfrau, die ihm Putzeimer und Putzlappen mit den Worten: „Du Schwein!“ vor die Füße setzte, holte ihn die Wirklichkeit ein.
- Irgendwie freute er sich am Sonntag schon auf das kommende Wochenende. Schon wieder lag eine lange Woche vor ihm. Da erinnerte er sich an Dieter. Der begrüßte ihn schon am Montag mit: „Schönes Wochenende!“

Zweite Geschichte:

Wie immer bei wichtigen Terminen geriet ich in Zeitnot und packte hektisch meine Tasche. Als ich aus der Tür trat, sah ich graue Wolkenmassen über der Stadt hängen. Ich überlegte kurz, ob ich noch einen Schirm holen sollte, dachte aber dann: Quatsch, keine Zeit, es wird schon gehen!
Ich lief zum Auto. Das Donnergrollen in der Ferne konnte mich nicht beeindrucken, schließlich sollte es mein Tag werden …
- Wozu brauche ich einen Schirm?
- Ich hatte keine Zeit, mir diese rhetorische Frage zu beantworten, denn ich wurde durch den ersten zuckenden Blitz in den Bann gezogen.
- Alles war plötzlich in ein gespenstisches, helles Licht getaucht, kühl und schön zugleich.
- War es real oder träumte ich von einem in Nebel getauchten Strand – mit in der Ferne aufgegangenem Sonnenlicht?
- Die Tropfen klangen wie afrikanische Trommeln und der Rhythmus übertrug sich auf mich.
- Ich träumte von Afrika – Urlaub müsste man haben!
- Also malte ich mir die Besteigung des Kilimandscharo aus. Vor 30 Jahren führte der Weg durch Wald, Strauchzone, Graszone auf den kahlen Krater. Heute …
- Ein plötzlicher Donnerschlag mit gleichzeitigem Platzregen kam vom Himmel. Mein Autoschlüssel versagte, die Wagentür öffnete sich nicht. War die Batterie im Schlüssel oder im Auto leer? Was nun?
- Vor meinem geistigen, meinem inneren Auge tat sich eine seltsame Landschaft auf, in der Unten oben war, in der Rechts links und das Hinten vorne lag, und ich fragte mich darum gleich, was das Gegenteil von Wetter sei …
- Ich sollte nicht am Abend so viel trinken, aber immer, wenn ich das elendig schlechte Spiel der Borussia sah, musste ich mich mit ein paar Gin trösten.  
- Und als Alternative dazu fiel nur das leuchtende Grün in die Hirnzellen … Heilung, Heilung, Heilung … irgendwann ist alles gut!
- Sozusagen Ente gut, alles gut!
- Wäre da nicht zufällig die Straßenbahn, die mich direkt zum Badesee bringen sollte, vorbeigekommen.
- Und dann auf einmal ging wieder die Sonne auf und alle riefen: „Aaaahhh!“

Entstanden unter Beteiligung von:
E. Pfundt
, R. Fischer , Jo , M. Lehnen , Udo , Claudia UeP , M. Schuds, Werner , Wally , Angie , Onger, Hubert , Renate , Reinhold , Karl und Barbara

Entstanden u.a. unter Beteiligung von:
Onger, Antje
, Wally , Peter Settele , Peter H. , M. Höver-Battermann , Inge Wagner , Ulla Brombeis und Barbara