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Blau blau blüht die Fantasie…  Von Barbara Klein
Blau  Von Magdlen Gerhards
Die Farbe Blau  Von Wolfgang Ruske
   

   

Blau blau blüht die Fantasie…
Von Barbara Klein

…in Rheydter Köpfen: auf Papier und Leinwänden, Stein, Keramik, in Dateien, Monitoren, kommt auf Schallwellen daher…
geduldige Medien, die a priori zeigen, was der Eindruck des Lebens in uns Künstlern anrichtet.

Der Trieb des Künstlers, die Welt in Details zu erfassen, dar- und auszustellen, ist vorhanden – einfach so. Niemand kreiert diesen Trieb, er muss nicht gefördert werden, aber er fordert die Person. Er lässt sie unruhig werden, zufrieden oder das Gegenteil dessen, lässt sie nicht schlafen oder ist Grund für angenehme Träume, lässt die Gedanken rotieren, führt den Tag-Nacht-Rhythmus ad absurdum, gibt Antworten auf Fragen, von denen man nicht wusste, dass sie in einem schlummern, und sorgt ganz banal für einen schnellen Verkalkungsvorgang in Kaffeemaschinen.

Blau, blau – wieso blau?
Blau, die Farbe der Trinker?
Die Farbe für Traurigkeit auf Englisch?
Die Farbe des Enzians?

Nein, Blau zum einen als Hommage an hervorragende Künstler, die ihren Platz in Köpfen, Museen, Büchern, in der Geschichte gefunden haben, zum anderen steht Blau für Erholung und Frieden, für Weite, Entspannung, Kühle und Linderung. Gekühlt werden unsere Gemüter, wenn die Fantasie ihre Blüten getrieben hat, wenn der Drang nach Entwicklung oder Bearbeitung eines oder vieler Details dieser Welt seine Befriedigung gefunden hat.

„Der Blaue Rheydter“ steht als Vereinigung für die mannigfachen Äußerungen künstlerischer Arten und Weisen als Schirm über unseren Köpfen, bietet Austausch, Kontakte, Zusammenhalt und gibt dem Stadtteil einen Teil der Wichtigkeit, die wir Städter verdeutlichen möchten. Der Blaue Rheydter ist ein Detail dieser Welt, das wir selber erschaffen haben und der ständigem Wandel unterworfen sein wird, denn Stagnation ist der Tod eines Künstlers. Wir stagnieren nicht, wir finden uns zusammen, bilden unsere Lobby, nicht (nur) zum Selbstzweck, denn die Kunst als wesentlicher Bestandteil unserer Kultur – älter als jede Wissenschaft – dient dem Schaffenden, dem Konsumierenden, auch dem passiv Konsumierenden und letztendlich der Stadt. Wir wollen aktiv den Dialog führen, sind ein Stück Leben, nehmen Strömungen auf, fügen Ströme hinzu, bebildern und beschreiben, was wir sehen, hören und fühlen und stellen uns mit diesen Produkten zur Diskussion. Wir sehen uns als Teil der Geschichte und wollen unseren Platz in eben dieser manifestieren. Dabei geht es auch um Gefallen und Geschmack, über den sich bekanntlich trefflich oder aber gar nicht streiten lässt. Ausgehend von der Auffassung verschiedener Interpretationsmöglichkeiten eines Kunstwerkes geben wir uns vordergründig zufrieden mit dem Gedanken, dass unsere Sprache keine Möglichkeit bietet, die Intention des Künstlers von Betrachtern (Lesern, Hörern…) des Werkes benennen zu können. Es geht nicht darum, was „falsch“ und was „richtig“ ist. Jedes Werk bietet in seiner Tiefe der Entstehungsgeschichte Geheimnisse, die nicht erkennbar sein können – bestenfalls gibt es eine Annäherung an das Wesen eines solchen Produktes – sodass wir es bei Kants „ästhetischer Idee“ belassen, die auf keine Begriffe zu bringende Anschauung der Einbildungskraft beruht, (aber) … dennoch eine »unnennbare Gedankenfülle« in sich birgt.

Mit dieser Gedankenfülle beginnen und beenden wir unsere Tage, mancher hofft auf Gefallen und alle auf regen Anteil am Dialog, denn wenn, wie gerade ausgeführt, es auch keine Erklärung geben kann oder muss, steht die Kunst untrennbar mit dem menschlichen Geist in Verbindung, ist ein Grundbedürfnis in unserem Alltag. Die Kunst sorgt für Anstöße, sie sorgt für Gefühle, sie sorgt für Reichtum, der sich nicht in monetären Ergebnissen ablesen lässt.

Der Blaue Rheydter ist Kunst.

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Blau
Von
Magdlen Gerhards

Blau ist eine Farbe, die mit Kälte belegt ist. Eis und Schnee spiegeln die Farbe Blau wider. Doch wirkt sie dann wirklich kalt, abweisend?
Ich denke an Eisblumen an den Fenstern oder an die mit Schnee überzuckerte Landschaft,  sie verwandeln die Menschen positiv.
Ganz anders ein Raum der mit Blau angestrichen ist, er vermittelt ein distanziertes Gefühl. Man fühlt sich unwohl, es kommt keine Nähe auf. Ein jeder ist darauf bedacht, diesen Ort möglichst schnell zu verlassen.
Doch denkt man an den Himmel, belegt sofort das innere Auge ihn mit einem strahlenden Azurblau. Schnell verbreitet so ein Himmel Heiterkeit.
Schon Eduard Mörike erzählt in seinem Gedicht:
„Frühling lässt sein Blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte…“
 Auch er symbolisiert den Aufbruch mit einem Blauen Band. Das Blaue Band ist mit Leichtigkeit besetzt, mit Lebensfreude.
Noch intensiver würden wir das Gefühl erleben, wenn man einen Blick von dem unendlichen, schwarzen All auf unsere Erde werfen könnte. Erst dann bemerkt man die Schönheit, aber auch die Zerbrechlichkeit unserer blauen Hülle. Aus dieser Höhe zeigt sich wie filigran das Blaue Band ist, das uns umfängt.
Schnell kann diese Hülle zerbrechen, wenn man sie nicht pflegt, auf sie acht gibt.
So ergeht es Gruppen die sich finden. 

Der Blaue Rheydter, eine Gruppe von Künstlern aller Richtungen, gehören dazu.
Das Blaue Band umschließt sie. Es soll beflügeln, anregen, gegenseitig den einzelnen Weiterbringen. Doch jeder Einzelne besitzt Ecken und Kanten, aber wie Kieselsteine im Wasser sich gegenseitig abschleifen, so versuchen wir, jede einzelne Facette zum Leuchten zu bringen.

Die Mitglieder der Blauen Rheydter sind wie Wasserläufe, die sich vereinen wollen in einem einzigen Flussbett. Beim Rio Negro und dem Amazonas kann man beobachten, wie die beiden Flüsse eine ganze Zeit nebeneinanderher fließen, bis sie sich endgültig vereinen.

So soll das blaue Band auch diese Gruppe zusammenhalten, aber es darf niemals den Einzelnen ersticken.

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Die Farbe Blau
Von Wolfgang Ruske

Als Blau bezeichnet man die wahrgenommene Farbe von Licht, das eine Wellenlänge zwischen 450 und 500 Nanometer hat. Das Blau, das man sieht, existiert nicht in der Außenwelt, sondern im Bewusstsein des Betrachters. Der Farbeindruck Blau kann aber auch durch Farbmischung entstehen. Das Wort Blau stammt vom althochdeutschen blao für schimmernd, glänzend. Nach neuen Untersuchungen der Psychologin und Soziologin Dr. Eva Heller ist mit 45 % aller Nennungen Blau die absolute Lieblingsfarbe der Deutschen. Mit Blau werden folgende Gefühle und Wirkungen assoziiert: Die Ferne, die Kühle, die Passivität, die Erholung, das Vertrauen, die Selbständigkeit, die Klugheit, die Wissenschaft, die Sportlichkeit. Darüber hinaus verbindet man in Kombination mit dieser Farbe Sympathie, Freundschaft, Harmonie, Phantasie, Sehnsucht, Treue, Männlichkeit, Großartigkeit und Introvertiertheit. Eva Heller hat 111 Blautöne aufgelistet.

Wie wir gesehen haben, werden der Farbe Blau vor allem männliche Attribute zugeordnet. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Blau eine weibliche Symbolfarbe ist. Während in der christlichen Symbolik die Farbe Blau diejenige der Gottesmutter Maria ist, kann man sie der mythologischen Weltenmutter Maria Sophia als Sinnbild der Weisheit zuordnen. Aber Blau ist nicht nur die Farbe der Menschen, die die Rücksicherung im Göttlichen suchen, des homo religiosus, sie ist auch die Farbe der Götter selbst. Blau sind die Bärte der ägyptischen Götter, Blau ist die Farbe Gott Amons, Blau ist die Hautfarbe der indischen Gottheit Krishna und die Mantelfarbe Wotans. In China steht Blau für die Unsterblichkeit, wir kennen den berühmten blauen Tempel in Peking und die Blaue Moschee in Istanbul. Blau ist auch die Farbe des Judentums.

Chagall hat gesagt, „eine blaue Seele“ sei über seine Bilder hereingebrochen. Das Auge ruht sich im Blau aus, weil es in dieser Farbe kaum gereizt wird. Nach Goethe, der ja bekanntlich eine umfangreiche Farbenlehre aufgestellt hat, ist Blau ein „reizendes Nichts“. Goethe erkannte mit seiner Aussage, dass Farbe „Taten und Leiden des Lichts“ sind, intuitiv die Zweidimensionalität des Photons als Teilchen (Quant) und Welle (Schwingung), wie sie die Quantenphysik später formuliert hat. Und er erkannte vielleicht auch die Ambivalenz, die Polarität des Blau als Farbe des Unbewussten und der Realität; die Farbe der Spiritualität und des Wirkens, Schaffens. Blau symbolisiert einerseits die Königswürde, Blau ist aber auch die Farbe der Arbeit (Indigo als Farbe der Arbeitskleidung der Handwerker, „Blaumann“, Jeans, Uniformen – „Preußischblau“).

Sich in das Blau zu versenken heißt, sich mit dem Geheimnisvollen, nie Ausschöpfbaren innerlich zu verbinden. Blau ist das Licht des Nirvanas, der Entgrenzung, der Quintessenz auf einer höheren Stufe. In der Götterwelt des Himalaya symbolisiert Blau die Oberwelt, den Himmel. Blau ist den Sternen gleich – eine Ewigkeitsfarbe. Die Bauleute der gotischen Kathedrale von Chartres haben es in den blauen Glasfenstern ausgedrückt. Weil die Kuppel den Himmel symbolisiert, wurde sie in vielen Kirchen blau ausgemalt. Die Farbe des Himmels und der Meere führt zum inneren Frieden, führt zu uns selbst. Wer eine menschliche Aura sehen kann, wird Dunkelblau bei einem spirituell ausgerichteten Menschen erkennen können, Hellblau bei einem, der nach einem hohen Ideal strebt. Blau ist die Farbe des späten Mittelalters. In dieser Zeit war es üblich, in die geomantische Mitte der Städte einen blauen Stein zu setzen, sozusagen als Omphalos, als Nabel, als Mittelpunkt. Diese Steine sind noch heute in Delft oder London zu sehen. In unserer Zeit sprühen Geomanten blaue Farbe auf bestimmte Erdzonen, um ihre Energieflüsse zu verändern. Türen und Fenster wurden seit alters her blau gestrichen, weil die Farbe böse Geister abwehren und gute ins Haus lassen sollte; sie galt als Farbe beschützender Kräfte.

Im europäisch-nordamerikanischen Kulturkreis ist eine Ehrung mit einem Blauen Band eine beliebte Auszeichnung. Erstmals für 1346 historisch belegt ist dies für das blaue Band des Hosenbandordens. Nach Meyers Konversationslexikon von 1888 wurde auch der dänische Elefantenorden von 1458, der an einem blauen Band getragen wurde, als "das blaue Band“ bekannt. Wettfreudige englische Reeder spendierten zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem Kapitän, der sein Segelschiff am schnellstem von London nach Australien bringen konnte, einen blauen Wimpel. Vorbild für diese Auszeichnung war das Pferderennen in Derby, bei dem damals dem siegreichen Pferd eine blaue Schleife angesteckt wurde. Die bekannteste Ehrung mit einem Blauen Band erfolgte jedoch für die schnellste Atlantik-Überquerung.

Nach dem Internationalen Freimaurerlexikon sind die Farben der Freimaurer den großen Ritterorden entlehnt: Seit 1745 ist Hellblau, Azur- oder Cyanblau die Farbe der so genannten Johannismaurerei, abgeleitet vom erwähnten Hosenbandorden. Auch das Wappen der englischen Bauhüttenbruderschaft hatte einen blauen Grund. „Dem Freimaurer ist die blaue Farbe die heiligste…“ schrieb der Symbolforscher und Philosoph August Horneffer 1924 in seinem Buch „Symbolik der Mysterienbünde“. Horneffer weiter: „Warum haben die Freimaurer die blaue Farbe gewählt? Historisch lässt sich wenig Sicheres darüber ermitteln; zur psychologischen Begründung könnte man an den ausgesprochenen Zweck der Freimaurerei: die Leidenschaften zu mäßigen und beruhigend und ausgleichend zu wirken, erinnern.“

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